Aussetzen!

Draußen... Unter Kiefern


Wie erwachen Samen nach dem ersten Regen?
Welcher Nerv steuert unsere Entspannung – und löst sie wieder?
Was, wenn Atmung nicht nur Versorgung, sondern Antrieb und Bewegung ist?Entlang verschiedener Stationen des Waldpfads werden diese Fragen, in Körperpositionen übersetzt, erprobt und gehalten.

Wir arbeiten in der Intervention mit Irritationen. Wir lernen von der Natur innezuhalten, uns zurückzuziehen und Kräfte zu sammeln. In Zeiten permanent geforderter Aufmerksamkeit, Reaktion und Partizipation eröffnet sich hier ein Möglichkeitsraum, die eigenen Sinne zu erforschen: genauer hinsehen, länger zuhören, näher herangehen, mehr wahrnehmen.

Das Kunstwerk besteht aus vier Stationen aus verbranntem Holz mit eingravierten Gedichten auf Metallplaketten.

Wie kann eine neue Beziehung zwischen Natur und Kunst, Abbild und Realität entstehen? Das Brücke-Museum möchte sich diesem Gedanken öffnen und schafft auf seinem Waldgrundstück einen künstlerischen Lehrpfad, um zu ergründen, was wir in der Natur sehen, lernen oder erfahren können. Wie funktioniert die Schönheit der Lebendigkeit, welchen Wert hat Vergänglichkeit und was passiert in dem Kreislauf der Jahreszeiten? 
Für das Projekt wurden sieben Künstler*innen eingeladen, ein neues Empfinden für das Zusammenleben der Spezies zu vermitteln. Sie haben Werke entwickelt, die den Blick auf die Natur erweitern, das Zusammenleben aller Lebewesen thematisieren oder das Verwesen als künstlerischen Prozess sichtbar machen. Für die Herstellung wurden möglichst wenig Ressourcen und CO₂ verbraucht. Die Werke sind im Gegensatz zum musealen Raum dem Klima und Wetter ausgesetzt, sie werden von den Bienen betreut und den Füchsen bewacht. 
Text: Brücke Museum

„Nichts funktioniert von selbst.
Weder das Gehirn, noch die Leber, noch der Vagusnerv.
Tief in unseren Organen schlägt alles langsamer. Genauso unter diesem Wald.
Zeit, mal innezuhalten!
Schau mindestens zehn Sekunden lang in dich hinein.
Wie weit ist unser Körper von uns entfernt?
Ein ganzes Leben, um ihn zu finden. Oder nur einen Moment.“

„Es stimmt nicht, dass ein Wald erst entsteht, wenn wir ihn wahrnehmen.Und es stimmt auch nicht, dass ein Baum nicht fällt, wenn wir ihm zuhören.Es stimmt nicht, dass unter der Erde die Hölle liegt.
Dort finden sich jedoch die schönsten, flüchtigen Arten.Alles kann wiedergeboren werden.
Alles kann wieder Teil einer Gemeinschaft werden.
Man muss an den Zerfall glauben, der uns verbindet.“

„Der Specht träumt davon, sich in Holz zu verwandeln.
Erst dann spürt er den Rhythmus seines eigenen Schlags.
Er perfektioniert das Tempo und entdeckt die Schönheit der Zeitlupe.
Wenn er aufwacht, atmet er anders.“

„Überleben gehört zum Leben dazu, sagt der Samen, während er wartet, ohne auch nur daran zu denken, dass er eines Tages ein Baum sein wird.
Und auch nicht daran, dass dieser Baum eines Tages ebenfalls sterben wird.
Es geht nur darum, die richtigen Bedingungen zu finden.
Mit der Geduld eines Mikroorganismus. Mit dem Mut eines wilden Tieres.“