Der Mehringplatz erlebt gerade nach 12 Jahren Langzeitbaustelle seinen ersten Berliner Sommer. Trotzdem ist er ein noch vergessener öffentlicher Raum Kreuzbergs. Wie kann Handlungs- und Gestaltungsmacht im öffentlichen Raum entfacht werden? Geformt und geschrieben wird der Platz täglich neu durch die alltäglichen Handlungen der Nachbarschaft und ihren Bewohner:innen. Zusammen mit ihnen haben wir Wege erkundet, wie die Nutzung öffentlicher Räume helfen kann, das eigene Lebens- und Arbeitsumfeld zu kreieren und als Verhandlungsraum urbaner Gesellschaften zu definieren.
Als Kellner:innen des sozialen Mittelpunkts, des Café MaDaMe, wird sich zu den Stammgästen gesellt. Die spontan anmutende, performative Intervention verändert die Wahrnehmung der lokalen Nachbarschaften auf ihren alltäglichen Lebensraum. Bewohner:innen werden zu Publikum und sind gleichzeitig Teil der Inszenierung. Die entfachte Aufmerksamkeit über die Rollenveränderung führt zu Gesprächen, geteilten Beobachtungen und neuen Fragen. Der Mehringplatz ist der Alltag von über 2400 Bewohner:innen, die den öffentlichen Platz als natürliche Erweiterung ihres Wohnraums nutzen. Anhand performativer Interventionen möchten wir hinterfragen, welchen Körpern, welchen Handlungen und Bedürfnissen der neue Raum gerecht wird.









Das öffentliche Training der SC Fighters im Theodor Wolff Park wird durch mobile Matten zu einer Box-Arena. Tribüne, Bodenbelag und Merch, sowie persönliche Fightcards machen aus der Probe ein Event, an dem Passant:innen zu Besucher*innen, die Jugendlichen zu professionellen Boxern werden. Der Mehringplatz wird anhand weniger Elemente umgenutzt und sich der öffentliche Raum so als Arena und Schauplatz angeeignet.
Am Mehringplatz leben und arbeiten verschiedene Menschen und Gruppen auf engem Raum zusammen. Im öffentlichen Raum stoßen verschiedene Altersgruppen, Kulturkreise und Interessen aufeinander.










Unter einem Luftgeschoss wurde eine Näh- und Soundstation aufgebaut. Zusammen mit dem Nähkurs von Najwa Koussa werden Nazar-Auguen genäht. Die Geräusche der Nähmaschinen werden gleichzeitig Teil einer Soundcollage, die zusammen mit Musiker:innen der KMA entsteht. Passant:innen werden zum Zuhören und Mitmachen eingeladen, und mit eigene Texten, Geräuschen und Gedanken Teil der Mehringplatz-Soundcollage zu werden.
In der letzten Aktion im August 2023 hat sich die Revolutionäre Anwohner*innen Rat – kurz RAR- am Mehringplatz gegründet. Während der Aktion haben Nachbar:innen Banner an Gebäudefassaden und Balkonen im Mehringkiez angebracht woraus eine Ausstellung im öffentlichen Raum entstanden ist.










































Der Revolutionäre Anwohner:innen Rat hat sich zu einem nachhaltigen Nachbarschafts-Netzwerk entwickelt. Dabei setzt er sich auch für gemeinschaftlich getragene Lösungen ein, wie für die Einrichtung eines mobilen DIS/ENCOUNTER auf dem lokalen Wochenmarkt, der sowohl einen Treffpunkt für die Gemeinschaft bietet als auch auf die Notwendigkeit einer lokalen Nahversorgung hinweist.
Der Mehringplatz wird durch diese Aktionen zu einem lebendigen Beispiel dafür, wie eine engagierte Gemeinschaft durch kreative Lösungen und aktive Teilhabe den öffentlichen Raum bereichern und transformieren kann. Es geht darum, Bewusstsein zu schaffen, Bürgerbeteiligung zu fördern und langfristig positive Veränderungen in unserer Gesellschaft zu bewirken.
DIS/ENCOUNTER ist nicht nur ein Symbol für Selbstorganisation und Solidarität, sondern auch ein Aufruf an Verantwortliche, den sozialen Wohnungsbau zu unterstützen und die Grundversorgung der Gemeinschaft zu sichern.
„…Von der ersten Kennenlernphase bis hin zur Organisation der Nachbarschaft zeigt ihr, wie künstlerische Forschung und Bürgerengagement wirklich etwas bewegen können. Eure Initiative DIS/ENCOUNTER auf dem Wochenmarkt ist das perfekte Beispiel dafür, wie Selbstorganisation und Solidarität Licht auf lokale Herausforderungen werfen. Ihr habt nicht nur auf Probleme hingewiesen, sondern auch direkt Lösungen gezeigt. Ihr seid ein Vorbild für nachhaltige Gemeinschaftsentwicklung und zeigt, wie man einen lebenswerten, inklusiven städtischen Raum schafft…“ (Mohamed ZakZak, Jury Hans Sauer Preis 2024)
Hans Sauer Preis 2024 ZUKUNFT MITGESTALTEN – Beteiligungsprozesse für eine sozial-ökologische Transformation



