Guerilla Architects ist ein Künstler*innenkollektiv mit Sitz in Berlin. Fragestellungen politischer, juristischer und räumlicher Grauzonen stehen im Fokus ihrer räumlichen Interventionen und sozialkritischen Kunstprojekte. „Guerilla“ zu sein ist ihr Ansatz für die Stadtentwicklung. Entgegen der Überzeugung, dass man groß bauen muss, um großen Wert zu schaffen, greift das Kollektiv auf ungenutzte Potenziale – freie Ressourcen – aus dem Überfluss und der Überproduktion der urbanen Gesellschaft zurück. Bei der Arbeit mit vorhandenen Strukturen sind häufig nur minimalinvasive Eingriffe erforderlich, um zuvor unsichtbaren Räumen eine neue Bedeutung zu verleihen.

Die kooperative, forschungsbasierte und ortsspezifische Arbeitsweise des Kollektivs verdeutlicht sein Selbstverständnis als diskursive Praxis kritischer Raumproduktion mit besonderem Hinblick auf soziale und umweltbezogene Nachhaltigkeit. Gemeinsame Schaffensgrundlage und Inspirationsquelle sind dabei sowohl die aktive Beteiligung an der sozialräumlichen Entwicklung des eigenen Lebens- und Arbeitsumfeldes als auch der Glaube an die performativen Potentiale von Architektur, die Interessenkonflikte in offenen Gestaltungsprozessen moderieren können.

Guerilla Architects arbeiten aneignend, kooperativ, flexibel, informell, jetzt, kontextbezogen, performativ, politisch, spielerisch, vernetzt. Ihre Arbeit kann auch als „Räumlicher Aktivismus“ oder „performativer Urbanismus“ beschrieben werden.

Das Kollektiv wurde 2012 im Rahmen einer Hausbesetzung in London gegründet. Dabei erforschten sie die Grauzonen des lokalen Immobilienmarktes über Performances im öffentlichen Raum (Hidden Borough). Durch die Besetzung und Wiedereröffnung eines verlassenen Lagerhauses erklärten sie Leerstände zu öffentlichem Eigentum und förderten eine Diskussion über das Bewusstsein und Zukunft der Londoner Immobilienblase innerhalb der ansässigen Nachbarschaft.

Im Jahr 2016 wurde ein altes Wohnmobil in ein mobiles Büro umgewandelt, um immer „an Ort und Stelle“ arbeiten zu können und dem Verständnis der Stadt als existierendes Netzwerk von Ressourcen, die zwar teilweise unsichtbar aber von allen nutzbar sind, Ausdruck zu verleihen (Bastian, der Stadt:Symbiont). Durch die Neuinterpretation der rechtlichen Grundlagen der deutschen Parkraumgestaltung ist es ohne Weiteres möglich, einen autonomen, zentral gelegenen und kostengünstigen Arbeitsraum in Berlin zu bauen ohne dabei auf die ständig steigenden Gewerbemieten der Stadt angewiesen zu sein.

In ihrer letzten Recherchearbeit (1km² Berlin – Strategien der Spekulation) haben sich Guerilla Architects auf zeitgenössische Strategien der Spekulation auf dem Berliner Immobilienmarkt konzentriert. Inwieweit dieser hinter den Fassaden der gebauten Umwelt von Mechanismen des Finanzmarktes betroffen ist, wurde auf der Berlin Art Week 2019 (Sprache der Spekulation) und über eine Reihe von Performances im öffentlichen Raum (1km² – Die Tragödie der offenen Stadt) in Kollaboration mit der Regisseurin und Performerin Alicia Agustìn und dem Radialsystem gezeigt.

© Phil Dera

Team

Anja Fritz
Silvia Gioberti
Nike Kraft
Shahrzad Rahmani
Benedikt Stoll

Ehemalige Mitglieder

Sophie Fetten, Tobias Hattendorff, Henriette Lütcke, Denica Indzhova, Philine Schneider, Lucie Waschke, Eric Zapel